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Auferstehung
eines Ausgestossenen
Ostern erinnert an ein
unwahrscheinliches Ereignis. Ein junger Mann, der hingerichtet worden
war, soll wieder leben. So sagen es Frauen, die nach der Sabbatruhe
am ersten Wochentag nach dem Grab schauen. Diese Mitteilung erzeugt
nur Skepsis. Jesus war mit seiner Mission nicht nur gescheitert,
seine Anhänger sahen in dem Tod auch bestätigt, was die Ankläger
gegen Jesus vorbrachten - er ist garnicht der von Gott gesandte
Messias, Gott steht nicht hinter ihm. Seine Gegner hatten ihn so
am Kreuz verhöhnt: "Er hat auf Gott vertraut: der soll ihn jetzt
retten, wenn er an ihm Gefallen hat." Matthäus 27,43 Jetzt hat Gott
doch Gefallen an ihm, er lebt. Aber es ist doch anders als erwartet,
denn auch die Gegner Jesu wären nicht überrascht gewesen, wenn Gott
ihn vom Kreuz herunter geholt hätte. Rettung bedeutete für sie,
daß Jesus nicht gestorben wäre. Eine solche Legende wird im Islam
erzählt. Jesus sei vom Kreuz herabgestiegen, hätte Palästina verlassen
und sei in Persien gestorben.
Daß Gott einen
Toten zum Leben erweckt, ohne daß er wieder in die Zeit zurückkehrt,
das konnten sich nur wenige vorstellen. Jesus ist nicht in die Geschichte
zurückgekehrt, mit seinem letzten Wort am Kreuz "Es ist vollbracht.
Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist;" war seine historische
Existenz abgeschlossen. Am Ende unseres Lebens können wir nichts
anderes sagen und hoffen, daß Gott uns ebenfalls nicht im Tod läßt,
sondern uns auferweckt zu einem neuen Lebens. Ostern bedeutet daher
nicht, daß das Leben in dieser Welt ewig dauert, sondern versetzt
uns in eine neue Gegenwart, die nicht mehr der Zeit unterliegt.
Jesus ist in eine neue Existenz getreten.
Die Auferstehung zu verstehen, ist noch schwieriger als den Kreuzestod,
obwohl die Hinrichtung Jesu bereits ein Zumutung war, mit der seine
Anhänger kaum zurecht kommen konnten. Schickte doch Gott den, den
er zum Messias, zum Retter Israels bestimmt hat, in den Tod. Daß
Jesus von den Römern, also von Heiden mit der schmählichsten Form
der Hinrichtung, die keinem römischen Bürger zugemutet wurde, getötet
wurde, mußte als Zeichen dafür verstanden werden, daß Gott seinen
Gesandten hatte fallen lassen. Die Anhänger Jesu reagierten auch
so, sie waren enttäuscht und mit ihren Hoffnungen am Ende. Weil
die Auferstehung wider alle menschlichen Vorstellungen geschah,
findet man erst über den Tod Jesu einen Zugang zur Auferstehung.
Das zeigt der Vergleich mit einem Bericht aus dem Alten Testament.
Im 2. Buch der Könige wird vom Propheten Elijas berichtet, daß er,
ohne zu sterben, direkt mit einem Wagen in den Himmel entrückt wurde.
Sein Jünger, Elischa, begleitet ihn. "Während sie miteinander gingen
und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und
trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel
empor. Elischa sah es und rief: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels
und sein Lenker." (2 Könige 2, 11f) Jesus wurde nicht wie Elija
entrückt, er starb auch nicht einfach, sondern wurde durch Geißelung
und Verspottung erniedrigt und durch das Kreuz hingerichtet. Damit
war er ein Ausgestoßener. Bis auf wenige wandten sich seine Anhänger
enttäuscht ab. Es waren nicht nur die Schmerzen und die Erniedrigung,
die Jesus durchstehen mußte, er mußte sich auch verlassen fühlen.
Nur seine Mutter, der junge Johannes und einige Frauen begleiteten
ihn auf seinem Weg. Die Auferstehung überspringt die bittere Realität
des Menschen nicht, sie steht nicht über der Geschichte, sondern
leuchtet die dunkelsten Seiten des Menschen aus.
Auferstehung bedeutet, daß der Sohn Gottes unser Leben gerade von
den dunklen Seiten her kennt. Weil er sie durchlebt hat, hat er
sie überwunden. Deshalb begründet die Auferstehung unsere Erlösung.
Sie erlöst uns von dem Bösen, denn in ihr sind die Verurteilung,
die Verleumdung, das Verlassenwerden, das qualvolle Sterben enthalten.
Weil jeder von uns zumindest einiges von dem durchmachen muß, was
auf Jesus im Verlauf weniger Stunden hereingebrochen ist, werden
wir nicht durch das Böse, die uns angetane Verleumdung und Gewalt
aus dem Leben herausgedrängt. Gerade das aber hatten die Jünger
aus dem schmählichen Tod Jesu geschlossen - daß es eben vorbei ist,
auch mit ihren Hoffnungen. So muß man auch denken, wenn man die
menschlichen Erfahrungen heranzieht. Wer einmal ausgestoßen worden
ist, wer die Anerkennung verloren hat, wer Opfer einer Verleumdung
wurde, der kommt nicht mehr zurück. Gerade das sollte die Kreuzigung
Jesu bewirken, daß er nicht nur in den Tod geschickt wurde, sondern
auch desauviert war. Wenn man Jesus heute in Mißkredit bringen wollte,
würde man ihm wahrscheinlich nachsagen, daß er Geld unterschlagen
hat. Wenn er dann verurteilt wäre, wäre er auch in seiner Botschaft
erledigt. Es war dann auch für Paulus und die anderen christlichen
Prediger ein Problem, den Bewohnern des römischen Reiches einen
Gekreuzigten als Heilbringer vorzustellen. Aus den ersten christlichen
Jahrhunderten gibt es daher auch fast keine Kreuzesdarstellung.
Nach Jahrhunderten der Meditation und nach den Erfahrungen mit den
Diktaturen und Kriegen des 20. Jahrhunderts können wir vielleicht
besser verstehen, daß ohne das Kreuz die dunklen Seiten des Menschen
nicht erlöst wären. Das Kreuz läßt uns erst die volle Bedeutung
der Auferstehung erkennen.
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