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Vorwort

Wer sich um Gerechtigkeit und Versöhnung bemüht, wer - wie jüngst die beiden Kirchen in Deutschland - die wirtschaftliche und soziale Lage in den Blick nimmt, wer nach Grundwerten für Leben und Überleben fragt, wer sich nicht zur Halbierung der Realität in privates Glück und soziales Elend verführen läßt, der wird sich immer wieder herausfordern lassen müssen, nicht zuletzt von alten und neuen Propheten. Zu ihnen gehört jener christliche Anarchist, der sich selbst einen "Abbruchunternehmer" nannte und Anfang November vor 80 Jahren in Paris starb: der Katholik Léon Bloy. Nichts war ihm verdächtiger als eine religiöse Ruhigstellung ungerechter Verhältnisse, nichts brachte ihn mehr in Rage als die Ermäßigung des Christlichen und die Domestizierung Gottes im Interesse der herrschenden Minderheit, in Staat und Kirche.

"Das Blut des Armen ist das Geld. Man lebt davon und stirbt daran seit Jahrhunderten. Es ist der ausdrucksvolle Inbegriff alles Leidens. Es ist der Ruhm und die Macht. Es ist die Gerechtigkeit und die Ungerechtigkeit. Es ist die Qual und die Lust." Ärgerlicher, verstörender kann man sich kaum einmischen in die Verhältnisse. "Es gibt nur eine Entschuldigung zu leben: auf die Auferstehung der Toten zu warten. Es gibt nur eine Traurigkeit: kein Heiliger zu sein."

Akademiearbeit - sach- und zeitgemäß - lebt nicht zuletzt von solch begründeter Provokation, von querdenkerischer Beunruhigung, vom Mut der Infragestellung. In Zeiten der Neuorientierung geraten die Frage nach Gott und die Frage nach dem gelingenden Leben für alle und jeden neu aneinander. Daran mitzuwirken, daran teilzunehmen, sind Sie herzlich eingeladen.

Dr. Gotthard Fuchs
Akademiedirektor

zum Inhalt 1997/2

 

 

 

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