---------- Matthias Weimer

Türkei: "Asterix im Türkenland"


Deutscher Archäologe macht sensationelle Entdeckungen in Anatolien

Sensationeller archäologischer Fund eines Deutschen in der Türkei: Der Nürnberger Theologe Paul Imhof (48), Dr. phil., Dr. theol. erläuterte die Ausgrabung in Pessinus zwischen Eskis ehir und Gordion. Hier liegt der Beweis von der historischen Existenz eines keltischen Stammes in Anatolien. Zentrales Stück ist ein meterhoher Steinquader mit einer Inschrift, die der phrygischen Göttin Kybele gewidmet ist. Die Kelten oder Galater - damit verbinden wir Europa (in Deutschland vor allem in der Oberpfalz, bei Trier und Stuttgart, Iren und Belgier sind Kelten) oder auch Asterix und Obelix waren Galater, was auf Französisch Gallier heißt.

Paul Imhof zur BamS: "Ich war seit Jahren überzeugt, daß es schriftliche Beweise geben muß." Der Nürnberger ruhte nicht, sondern machte sich mit der Archäologin Dr. Armgart Geiger, die seit Jahren in Bog azköy und Carnuntum gegraben hat, auf die Suche nach dem Stein der Weisen. Er fuhr quer durch die ganze Türkei, nahm Museen und Grabungsorte unter die Lupe. Und hatte Erfolg: Am 6. September stieß er auf den keltischen Weihestein für die Göttin Kybele.

Männer mit Schnurrbärten und Zöpfen, Druiden, Mistelzweige und magische Tränke - was suchten die Kelten in Anatolien? Dr. Imhof, der in Deutschland bekannt ist für seine Filme und mehrere Bücher, die sich mit dem Leben des Apostels Paulus und des Hl. Nikolaus beschäftigen, zu BamS: "Die Wissenschaft nimmt schon lange an, daß keltische Stämme im 3. Jh. V. Chr. nach Kleinasien zogen. Sie siedelten sich vor allem auf dem anatolischen Hochplateau bei Yozgat an. Dort laufen derzeit auch weitere Ausgrabungen. Im Museum von Yozgat gibt es mehrere keltische Funde. Mit dem Fund in der antiken Siedlung von Pessinus ist zum ersten Mal inschriftenmäßig die historische Existenz der Kelten beweisbar.

Dr. Imhof erklärt: "Den Weihestein an die Göttin Kybele stiftete der Keltenstamm der Tolistobogier, einer von drei keltischen Stämmen in Kleinasien.
Die Galater waren als Söldner im 3. Jh. V. Chr. von Europa ins Land gerufen worden. Das heutige Ankara, die Hauptstadt der Türkei, wurde als Ankyra vom Keltenstamm der Tektosagen gegründet. Der dortige Augustustempel war eines ihrer Heiligtümer. Noch im 4. Jh. N. Chr. sprach man in Anatolien Keltisch, so der Hl. Hieronymus."
Hauptort des dritten keltischen Stammes in Anatolien ist Tavium bei der Stadt Yozgat, rund 250 km östlich von Ankara. Die archäologische Erforschung vor Ort hat gerade neu begonnen.
Dr. Imhof: "Es ist faszinierend, wenn man die cremefarbene, galatische Keramik sieht. Die neu gefundenen Grabsteine in Tavium haben christliche und keltische Motive."

Die Galater waren übrigens auch die ersten Nichtjuden, die Christen wurden. Dr. Imhof: "Das war um 50 n. Chr. Der Apostel Paulus, der auf dem Gebiet der heutigen Türkei unterwegs war, schrieb seinen berühmten "Brief an die Galater", der uns im Neuen Testament erhalten ist, an die sich gerade glaubensmäßig an Christus wendenden anatolischen Kelten. Er war begeistert, daß die Galater Christen wurden. Dieser Brief ist ein Plädoyer für die Freiheit. Auf seinen Missionsreisen besuchte er sie auch öfters."

Paul Imhof ist überzeugt: "Die anatolischen Kelten brachten den christlichen Glauben zu ihren Volksgenossen nach Europa, denn im 4. nachchristlichen Jahrhundert, wo sich die Spur der Kelten in Anatolien zu verlieren beginnt, begannen die europäischen Stämme christlich zu werden."

Wer waren die Kelten genau? Dr. Imhof lächelt: "Unsere Vorfahren. Ein lebenslustiges, trinkfreudiges Volk. Und Druiden, die magische Tränke kochten - dies ist keine Legende aus Asterixheften, sondern das gab es wirklich - wahrscheinlich unter Zuhilfenahme von Drogen. Sie trugen Schnauzbärte, Frisuren, die mit einer Kalkbrühe gestylt die Haare zu Berge stehen ließen, und tätowierten sich. Ihre Feinde fürchteten sich, weil sie nackt in den Kampf zogen."

Auch die Furcht des Majestix aus dem Asterix, einem urkeltischen Typ, daß ihm der Himmel auf den Kopf fallen könne, ist historisch gelegt. Vor nichts anderem hätten sie Furcht, bekamen die Gesandten Alexanders des Großen zu hören. Dr. Imhof: "Diese symbolische Furcht war Ausdruck für die Frage: Wie kann man als freier Mensch leben?"
Was bringt einen engagierten Theologen dazu, sich mit den Kelten zu beschäftigen? Imhof: "Die Kelten in Anatolien sind in meinen Augen die ersten funktionierenden christlichen Gemeinden vor dem römisch-griechischen Christentum. Eine beeindruckende Gemeinschaft."

Was bringt der Fund der Wissenschaft? Dr. Imhof: "Für alle, die sich für den Pergamonaltar in Berlin interessieren, ist es spannend, mehr über die Hintergründe zu wissen. Denn es handelt sich um einen Triumphaltar der Könige von Pergamon über die besiegten Galater. Im übrigen aber zahlten sie Tribut an die Kelten.

Im Hinblick auf 2000 Jahre Christentum würde es sich besonders lohnen, endlich einmal systematisch die Geschichte des galatischen Christentums zu erforschen. Immerhin waren auf dem ersten ökumenischen Konzil in Nicaea (325 n. Chr.), der heutigen türkischen Stadt Iznik, fünf Bischöfe aus Galatien."

Für alle Keltenfans in Europa bietet Dr. Imhof über die Akademie St. Paul Reisen an: "Jeder, der möchte, kann mit ihm auf den Spuren der Galater reisen. Information über: Dr. Paul Imhof, Pilger- und Touristenseelsorge Kleinasien, Büyük Ciftlik Sokak 14, TR-80200 Istanbul-Nisantasi Fax: (212) 2407638

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