Zusammenfassende deutsche Kirchengeschichte rück auf vor


Das Konzil von Trient und die Auswirkungen auf Deutschland

Die Forderung der deutschen Fürsten lautete hinsichtlich der Wiedergewinnung der christlichen Einheit: Ein allgemeines Konzil oder ein Nationalkonzil muß einberufen werden. Es sollte auf deutschem Boden stattfinden. Papst Paul III. (1534-1549) hatte bereits 1536 ein Generalkonzil nach Mantua einberufen. Dieses Konzil trat nicht zusammen. Luther hatte zur Vorbereitung auf dieses Konzil seine Schmalkaldischen Artikel erarbeitet. In ihnen stellte er fest: Hinsichtlich der Lehre der Rechtfertigung, des Meßopfers und des Papsttums könne von Seiten der Neugläubigen nicht nachgegeben werden. Luther stellte auch fest, daß die katholische Seite besonders bei den Fragen der Messe und des Papsttums nicht nachgeben könnte. So resümierte er: „Also sind und bleiben wir ewiglich geschieden.“

Schließlich rief Paul III. das Konzil nach Trient, also auf deutschem Boden, ein. Es trat 1545 zusammen. Luther erlebte nur die erste Sitzungsperiode. Er starb am 18. Februar 1546 in Eisleben. Die Lage der katholischen Kirche hatte sich in Deutschland inzwischen drastisch verschlechtert. Die deutschen Bischöfe schien dies nicht weiter zu bewegen. Sie jedenfalls zeigten nur ein geringes Interesse an diesem Konzil. Kein residierender Bischof erschien zur ersten Sitzungsperiode, obwohl der Papst die Einladung dringlich gemacht hatte. Sie schickten nur wenige Vertreter. Doch wichtige Fragen standen an. Es ging um die Bedeutung der Tradition, der Erbsünde, der Rechtfertigung und der Sakramente. Ferner standen eine Reihe von Reformdekreten auf der Tagesordnung, so die Residenzpflicht der Bischöfe.

Statt durch das Konzil versuchten die protestantischen Fürsten eine Lösung auf dem Schlachtfeld. Es brach 1546 der Schmalkaldische Krieg aus. Es war die bis dahin größte militärische Auseinandersetzung, die Deutschland erlebt hatte. Karl V. brachte am 24. April 1547 bei Mühlberg der neugläubigen Seite eine vernichtende Niederlage bei. Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen wurde festgenommen, er mußte auf sein Land und die Kurwürde verzichten. Philipp von Hessen mußte sich unterwerfen und den Kaiser um Gnade bitten. Karl V. war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Vor dieser Macht hatte der Papst Angst. Paul III. zog seine Truppen Ende Januar 1547 aus Deutschland ab und verlegte das Konzil nach Bologna. Dies wiederum hatte für die kirchenpolitische Entwicklung in Deutschland negative Folgen. Hubert Jedin, ehemaliger Bonner Kirchenhistoriker und besonderer Kenner des Trienter Konzils, stellte fest: Ohne die Verlegung des Konzils nach Trient hätte die deutsche Glaubensspaltung einen anderen Ausgang haben können.

Die Antwort des Kaisers auf die Konzilsverlegung war das Augsburger Interim vom 15. Mai 1548. In 26 Artikeln werden in diesem Interim die Grundwahrheiten des Christentums zusammengefaßt. Auf Diözesan- und Provinzialsynoden sollten von dieser Basis ausgehend die notwendigen Reformen beschlossen werden. Dieses Interim des Kaisers konnte jedoch in Deutschland nur im süddeutschen Raum durchgesetzt werden. Nach dem Tode Paul III. (1549) bestieg Julius III. (1550-55) den Papstthron. Er kündigte sogleich die Fortsetzung des Konzils in Trient an. Die protestantischen Stände erklärten sich auf dem Reichstag zu Augsburg (1550/51) bereit, Vertreter zum Konzil zu entsenden. So schickten Brandenburg, Württemberg, Kursachsen und Straßburg Gesandte. Moritz von Sachsen seinerseits bereitete den Sturz des Kaisers vor. Die Wittenberger stellten eindeutige Bedingungen an das Konzil. Die Forderung lautete: Die bisherigen Entscheidungen zu revidieren und das protestantische Schriftverständnis zu übernehmen.

Bei der zweiten Sitzungsperiode waren die deutschen Bischöfe relativ stark vertreten. Während dieser zweiten Konzilsperiode wurde die katholische Eucharistielehre und die Realpräsenz definiert und verabschiedet und die Wesensverwandlung der Gaben von Brot und Wein herausgestellt. Weitere wichtige Entscheidungen über Buße und Krankensalbung wurden getroffen. Diskutiert wurden auch das Weihesakrament und die Lehre vom Meßopfer. Bis zum Ende konnte diese Diskussion jedoch nicht geführt werden. Moritz von Sachsen zwang den Kaiser zur Flucht aus Innsbruck, und so wurde das Konzil 1551 suspendiert.

In Deutschland wurde 1555 der Augsburger Religionsfriede geschlossen. Mit ihm war die rechtliche Anerkennung der lutherischen Stände verbunden. Ferner bestimmte dieser Friede, daß keiner der Reichsstände wegen seiner Religionszugehörigkeit bekriegt werden dürfe. Die freie Wahl des Glaubensbekenntnisses hatten jedoch nur die Reichsstände. Die Untertanen mußten das Bekenntnis der Herren annehmen (cuius regio, eius religio). Auch wenn sich dieser Religionsfriede als eine Zwischenlösung verstand, er bedeutete schließlich die Besiegelung der religiösen Spaltung in Deutschland.

In den Jahren 1562/63 fand die dritte und letzte Konzilsperiode statt. Ein Interesse von Seiten der lutherischen Fürsten an einer Konzilsteilnahme war nicht mehr vorhanden. Auch die katholischen Bischöfe und Fürsten zeigten kaum noch Interesse.

In der dritten Sitzungsperiode wurden die entscheidenden Fragen der Residenzpflicht der Bischöfe, der Kommunion unter beiderlei Gestalten, der Opfercharakter der Messe, des Weihesakramentes und der Ehe behandelt und abschließend definiert. Die Bischöfe wurden verpflichtet, Priesterseminare einzurichten, und alle drei Jahre sollten Provinzial- und jährlich Diözesansynoden stattfinden. Trient hat, und darin liegt seine kirchengeschichtliche Bedeutung, die katholische Glaubenslehre gegenüber den Neuerungen durch Luther, Zwingli und Calvin abgegrenzt und so durch die Einleitung einer eigenen Reform auf die evangelische Reformation geantwortet.