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Konische Kopfbedeckung (Spitzhaube) mit dreifacher Krone. Ursprung im byzantinischen Hofzeremoniell.
Aus Persien übernommen. Auch frigium genannt, an die phrygische Zipfelmütze erinnernd. Von Persien über Byzanz nach Rom gekommen.
Papst Sylvester I. hatte das ihm von Kaiser Konstantin angebotene Diadem nicht angenommen, weil er bereits
die corona clericatus, die Tonsur des hl. Petrus, trage. Obwohl im Alten Testament die Priester angewiesen werden, sich zu gürten
und ihre Hauben aufzusetzen, galt für die christliche Kirche im ersten Jahrtausend die Barhäuptigkeit. Bald aber trug der Papst eine
Spitzhaube, der phrygischen Zipfelmütze angelehnt (Phrygium), eine priesterliche Kopfbedeckung aus dem iranischen Zeremoniell des
5. Jh. v. Chr.. Als Vorläufer gilt aber auch das aus der byzantinischen Zeit stammende camelaucum, Rangabzeichen
hoher oströmischer Beamter, ebenfalls mit iranischer Tradition. Es begegnen sich also priesterliche und herrschaftlich-triumphale
Kopfbedeckung.
Erstmals im 8. Jh. erwähnt. Unter dem syrischen Papst Konstantin I. (708-715) wird zum ersten Mal eine besondere
Kopfbedeckung des Papstes erwähnt, camelaucum genannt, weiss mit goldener Borte. Dieser Rand wurde später zum Kronreif mit
Zacken entwickelt.
Die Papsthaube von Bonifaz VIII. (1294-1303) trägt auf dem Fresko in der Lateranbasilika bei der Verkündigung des
ersten Heiligen Jahres am 22. Februar 13oo eine solche Tiara. Tütenförmig, in der Länge eines Unterarms, zweimal ringförmig verstärkt
mit Ornamenten geschmückt und einem Kronreifen, dem er schliesslich einen zweiten und dritten hinzufügen lässt. Fachleute deuten
die Absicht des Papstes, der Figur des Kreises, der idealen Grundform des Erdkreises die des Urmasses der Elle hinzuzufügen, das
der Arche Noah, der allegorischen Vorform der Kirche, zugrunde gelegen hatte. Die nachfolgenden Päpste sind von diesen Masseinheiten
wieder abgerückt.
Seit dem 14. Jh. ein bauchiger Kegel, mit drei, kronenförmig ausgestalteten Ringen. Die Tiara endete mit einem Knauf,
in den ein grosser Rubin eingelegt war, schliesslich aber ersetzt durch ein kleines goldenes Kreuz ersetzt, auf einem kleinen symbolischen
Globus oder Reichsapfel befestigt. Rückwärts zwei Bänder, die Enden einer Kopfbinde, caudae genannt.
Im 9. Jh. wurde die Tiara auch regnum genannt, und nach Ausschmückung mit drei Kronen wurde der Name triregnum üblich.
Hier wird eine Anlehnung an die weltlichen drei Kronen des Kaisers erkennbar, der Theorie des 13. Jahrhunderts, dem Kaiser kämen
drei Kronen zu, eine goldene, eine silberne und eine eiserne: die Königskrone von Aachen, die Krone der Langobarden von Mailand-Monza
und die Kaiserkrone von Rom. Eine andere Deutung betrifft das dreifache päpstliche Amt: lehren, lenken und heiligen.
Das triregnum auf den Papst bezogen, bedeutet die plenitudo potestatis, die Fülle der Macht des Priesterkönigs.
Symbolisiert sind ferner die drei Reiche der Kirche betreffend: Die streitende K. auf Erden, leidende K. im Fegefeuer , die triumphierende
K. im Himmel, die drei Kronen gelten auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes.
Im Liber Pontificalis von 1596 heisst es: Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der
Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Mit diesen Worten überreicht
der erste unter den Kardinaldiakonen, der Protodiakon dem neugewählten Papst die Tiara, die dieser sich selbst aufsetzt, immer nach
der Krönungsmesse statt, im Freien auf dem Petersplatz. Vom Vatikan zog der Papst in feierlicher Prozession zum Lateran, um seine
Bischofskirche in Besitz zu nehmen. Die Tiara diente nur öffentlichen Auftritten (pro regno), für die liturgische Zwecke trug
auch der Papst stets die bischöfliche Mitra (pro sacerdotio)
Eine nie von Menschen getragene Tiara befindet sich im Petersdom. Sie wurde 1736 für die berühmte Bronzestatue des
hl. Petrus angefertigt, die damit alljährlich zum Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus geschmückt wird, dazu mit einem roten
Brokatmantel und einem schweren Fischer-Ring. Der amtierende Papst küsst den vorgestreckten Fuss der Statue als Zeichen der Verehrung
jenes ersten Bischofs von Rom, in dessen Erbe er die Kirche leitet.
Die Statue wird bis in das 5. Jh. zurückdatiert, gilt, zuverlässiger , als Werk des Künstlers Arnolfo di Cambio
(1240-1302).
Die Tiaren waren meist Schenkungen der Heimatdiözesen des Papstes, aber auch etwa von der spanischen Königin Isabella
an Gregor XVI. Napoleon zwang Pius VI. (1775-1799), die von Bonaparte im Vertrag von Tolentino 1797 auferlegte Kriegsentschädigung
durch den Verkauf der sieben im päsptlichen Sakrarium aufbewahrten kostbaren Tiaren zu begleichen.
Als Giovanni Battista Montini, Kardinal und Erzbischof von Mailand 1963 zum Papst gewählt wurde, schenkte ihm sein
Bistum eine Tiara, fünf Pfund schwer, aus feinstem Silber, mit drei goldenen Kronreifen und einem goldenen Kreuz versehen sowie mit
15 Diamanten und anderen Edelsteinen besetzt.
Schon ein knappes Jahr später legte Paul VI. die Tiara ab, dh. in einem feierlichen Akt auf dem Altar der Peterskirche,
am 13. November 1964, gegen Ende der dritten Periode des Zweiten Vatikanischen Konzils, als das Thema „Armut in der Welt“ behandelt
wurde.
Der Papst schenkte die Tiara, deren Wert damals auf rund 10.000 Dollar geschätzt wurde, amerikanischen Katholiken
als Dank für grossherzige Spenden zugunsten der Armen in der Welt. Die Tiara wurde von Kardinal Spellmann zunächst nach New York
mitgenommen. Sie „reiste“ durch die Vereinigten Staaten. Es kam viel Geld für caritative Zwecke zusammen, u.a. für die Armen- und
Sterbehäuser der Mutter Teresa von Kalkutta. Seit dem 30. Juni 1968 wird die Tiara Paul VI. in der Krypta des National Shrine of
the Immaculate Conception in Washington, dem Nationalheiligtum der nordamerikanischen Katholiken aufbewahrt.
Die Nachfolger Pauls VI. haben ebenfalls auf dieses Attribut verzichtet und haben sich, statt der Krönungsfeier
für eine feierliche „Amtseinführung“ entschieden, wobei ihnen nicht mehr die Tiara, sondern das „Pallium“ des Metropoliten überreicht
wird. (vgl. Amtseinführung von Johannes Paul I. und Johannes Paul II.. Sie erhielten erneut das Pallium als Zeichen ihres universalen
Amtes, nachdem sie es schon zuvor als Metropoliten (Patriarch) von Venedig bzw. Krakau getragen hatten. |
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