Ein
berühmter Prediger des 17. Jahrhunderts, Kapuziner
Die Stadt Sigmaringen
an der Donau ist einer breiteren Öffentlichkeit vor
allem durch einzelne Personen bekannt: Durch Mitglieder
des Fürstenhauses Hohenzollern etwa, durch den aus
Sigmaringen stammenden Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz,
Karl Kardinal Lehmann, der derzeit neben dem Papst wohl
der prominenteste deutsche Katholik ist. Und durch den
Namenspatron des kubanischen Revolutionsführers Fidel
Castro, den heiligen Fidelis.
Fidelis wurde 1578 als Sohn des Sigmaringer Bürgermeisters geboren und
auf den Namen Markus Roy getauft. Nach dem Studium in Freiburg, das er mit
der Promotion zum Doktor der Philosophie und beider Rechte abschloß,
war Markus Roy als Gerichtsrat in Ensisheim/Elsaß tätig. Aus Enttäuschung über
Fehlurteile und Mißwirtschaft trat er 1612 in den Kapuzinerorden ein
und wurde zum Priester geweiht. Rasch erwarb er sich einen Ruf als hervorragender
Prediger. Für seinen Orden wirkte er in der Zeit des Dreißigjährigen
Kriegs als Prediger und Seelsorger im Elsaß, im heutigen Baden-Württemberg,
in der Schweiz und in Vorarlberg. 1621 wurde er Guardian des Kapuzinerklosters
Feldkirch/Vorarlberg. Nachdem die Habsburger im selben Jahr Teile der heutigen
Schweiz besetzt hatten, begannen sie sofort mit der gewaltsamen Rekatholisierung
der protestantischen Eidgenossen. Fidelis wirkte im Auftrag des Papstes als
Missionar und Prediger. Am 24. April 1622 wurde er nach einer Predigt in Seewis/Graubünden
trotz – offenbar nicht ausreichendem – militärischem Schutz
von calvinistischen Bauern erschlagen. Papst Benedikt XIV. sprach ihn am 29.
Juni 1746 heilig.
Fidelis gilt als der erste einer langen Reihe von Märtyrern des Kapuzinerordens.
Er ist Patron des Erzbistums Freiburg (zusammen mit Maria und dem Hl. Konrad),
des Bistums Feldkirch, von Hohenzollern sowie der Juristen. Dargestellt wird
er im Kapuzinerhabit mit Stachelkeule und Schwert, bisweilen auch mit Palme
und Lilie.
Dr. Christoph
Schmider, Leiter des Erzbischöflichen Archivs Freiburg
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