Ein
Thema auf die Tagesordnung der Öffentlichkeit setzen
Im kommunikativen
Raum der Öffentlichkeit, in dem die Gesellschaft insgesamt
ihre Fragen diskutiert, die Machtverteilung aushandelt
und Entscheidungen vorbereitet, können immer nur einige
Themen gleichzeitig behandelt werden, denn alle Themen
können nicht auf einmal zur Diskussion stehen. Damit
ein Thema auf die Tagesordnung der Öffentlichkeit
gelangt, muß es ausgewählt werden, oder das
Thema muß von außen aufgezwungen sein, wie
z.B. ein Unglücksfall, ein Attentat, ein Umsturz oder
ein sich als unausweichlich herausstellendes Problem, mit
dem sich der Verband, die Kommune, die gesamte Gesellschaft
auseinandersetzen müssen. Manche Themen kommen automatisch
auf die Tagesordnung. Es gibt in einem bestimmten Rhythmus
Wahlen, der Etat muß verabschiedet, die Neujahrsansprache
gehalten werden. Abgesehen von den Themen, die auf jeden
Fall zur Sprache kommen, hängt es von den Agenten
ab, die sich in der Öffentlichkeit zu Wort melden,
welches Thema auf die Tagesordnung kommt. Zweifellos haben
die Medien dabei eine wichtige Rolle, die möglicherweise
aber überschätzt wird. So steht ein großer
Teil der Nachrichten bereits fest, weil z.B. eine Abstimmung
im Parlament ansteht, ein Partei- oder Gewerkschaftstag
stattfindet, über eine Wahl oder einen Staatsbesuch
zu berichten ist, die Zahl der Arbeitslosen für den
vergangenen Monat bekanntgegeben wird, die Leser, Hörer,
Zuschauer Informationen über die Staus an den Ferienwochenende, über
Sportereignisse und das Wetter von morgen erwarten.
Auf die Tagesordnung kann auch ein Thema kommen, wenn es Reaktionen in der Öffentlichkeit
gibt - durch Leserbriefe, Anrufe oder Stammtischgespräche, die Journalisten
von einigen Zeitungen sogar systematisch verfolgen.
Die zunehmende Abhängigkeit des Fernsehens von der Fernbedienung der Zuschauer
sowie der Zeitungen und Zeitschriften von dem Kaufentscheid der Leser am Kiosk
dürfte zur Folge haben, daß die Regierung, Parteien und Verbände
weniger Einfluß darauf haben, was auf die Tagesordnung der Öffentlichkeit kommt.
Die Medien sind gezwungen, sich an den Interessen ihrer Nutzer auszurichten.
Das hat u.a. zur Folge, daß Ereignissen durch die Berichterstattung ein
spektakulärer Charakter verliehen wird, um das Interesse der Leser bzw.
Zuschauer zu gewinnen.
Es gibt Gruppen in der Gesellschaft, die das Durchhaltevermögen haben, über
einen langen Zeitraum die Behandlung eines Themas zu fordern. So hat die Ökologiebewegung
durch Demonstrationen, die Veröffentlichung von Untersuchungen und direkte
Kommunikation erreicht, daß der Umweltschutz auf die Tagesordnung gekommen
ist.
© www.kath.de |
|