Darstellungsformen
in den Medien
Es geht hier um
einen Begriff, der vor allem für das Fernsehen verwendet
wird, z.B. Nachrichten- oder Unterhaltungsformat. Was mit
Format gemeint ist, gibt es jedoch in jeder Kommunikation.
Z. B. ist der Jahresbericht bei eine Kommunikationsform,
die einen bestimmten Aufbau hat. Im Rahmen einer Mitgliederversammlung
gehören die Aussprache zum Jahresbericht, der Bericht
der Kassenprüfer, Anträge, zu denen es Wortmeldungen
und Abstimmungen gibt, zu dem geregelten Ablauf. Innerhalb
einer Mitgliederversammlung gibt es also bereits verschiedene
Formen, wie dieser Kommunikationsraum gestaltet
wird. Gleiches gilt für eine Zeitung, ein Hörfunk-
oder Fernsehprogramm. Nachrichten, Kommentare, Reportagen,
Glossen und Werbung finden sich in den drei Medien, ebenfalls
Fortsetzungsgeschichten, im Fernsehen besonders ausgeprägt
als Serie; weiter Features, Wetterbericht, die Besprechung
von Neuerscheinungen, Theater- und Operninszenierungen,
von Kinofilmen, Konzerten bzw. Tonträgern. Diskussionsforen
gibt es im Hörfunk, im Fernsehen und in einzelnen
Zeitungen, weiter das Interview. Die Show ist im Fernsehen
eine häufige Programmform. Die unterschiedlichen journalistischen
Formen und Genres fiktionaler Programme unterliegen jeweils
eigenen Baugesetzen. Diese Gesetze können als Kommunikationsregeln
beschrieben werden. Diese Regeldimension der
Kommunikation wurde in Unterscheidung zu ihrem Inhalts-
und Beziehungsaspekt als dritte Dimension herausgearbeitet,
weil sie eine bessere Bearbeitung von Kommunikationsstörungen
ermöglicht. Störungen sind nämlich nicht
nur durch Spannungen auf der Beziehungsebene bedingt, sondern
häufig auch durch Verstoß gegen Regeln, die
eine bestimmte Kommunikationsform steuern. Wenn ein Versammlungsleiter
keine Rednerliste führt, wenn in der Berichterstattung
Nachricht und Kommentar vermischt werden, wenn in einer
Konferenz nicht sachbezogen argumentiert, sondern persönliche
Erlebnisse ausgetauscht werden, wird dies als Störung
empfunden. Der Regelaspekt steuert die Baugesetze einer
Kommunikationsform wie auch die eines fiktionalen Genres.
Beschreibt der Regelaspekt die Struktur und den Aufbau
einer Kommunikationsform oder das Format, welches Printmedien,
Radio oder Fernsehen einsetzen, kommt auch in der durch
Medien vermittelten Kommunikation der Beziehungsaspekt
zum Tragen und dürfte, wie in der Primärkommunikation,
entscheidend sein. Bei Radio und Fernsehen suchen die Zuschauer
eine nahe Beziehung zu den redenden und handelnden Personen.
Regelmäßige Zuschauerinnen von Show-Sendungen
wünschen sich Authentizität und Emotionalität.
Zuschauer von Gottesdienstübertragungen möchten
in das Geschehen hinein genommen werden. Sie unterscheiden
sich damit nicht von Zuschauern eines Films oder einer
Serie, die sich mit dem Helden identifizieren wollen, um
auf diese Weise die Handlung miterleben zu können.
Der Held muß positiv gezeichnet sein, damit die Zuschauer
sich identifizieren können. Auch bei Diskussionssendungen,
Talkshows und Interviews will der Zuschauer eine Beziehung
zu der im Medium agierenden Person aufbauen, um sich dann
erst mit den Aussagen auseinanderzusetzen. Damit definiert
ein Medium die Beziehung zum Leser, Hörer, Zuschauer
nicht nur durch das Format des jeweiligen Beitrags, sondern
auch durch die Präsentation.
Während das Format eine jeweils andere Beziehung des Lesers, Zuschauers
zu den agierenden Personen ermöglicht und die Beziehungsebene eine wichtige
Rolle bei der Medienrezeption spielt, ist die dritte Dimension in der Kommunikation,
der Inhalt, für das Format kaum relevant. Zwischen Inhalten und Formaten
gibt es offensichtlich keinen direkten Zusammenhang, d.h. daß bestimmte
Inhalte nicht ausschließlich bestimmten Formaten zuzuordnen sind. So
war das Thema "Sexueller Mißbrauch von Kindern" Gegenstand
von Nachrichtensendungen, die über Gerichtsverhandlungen berichteten,
es wurden dokumentarische Beiträge gesendet, Diskussionsrunden veranstaltet,
und schließlich tauchte das Thema in Serien auf, letztes notwendig zeitversetzt,
da die Drehbuchentwicklung bei Serien Monate vor dem Ausstrahlungstermin abgeschlossen
sein muß. Die Drehbuchautoren und die Redakteure, die die fiktionalen
Programme verantworten, können sich bei der Darstellung des Problems,
des Konfliktes bereits auf einen Meinungstrend stützen, der zumindest
mehrheitsfähig ist. Da vor allem Unterhaltungsprogramme wie die Serien
auf hohe Einschaltquoten zielen und deshalb den Konsens bei den Zuschauern
nicht verletzen dürfen, sind diese Programme immer entsprechend den herrschenden
Meinungstrends konstruiert.
Eckhard Bieger
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