Es
gibt nicht eine, sondern viele Meinungen in der Öffentlichkeit
Wenn von öffentlicher
Meinung gesprochen wird, dann heißt das in der Regel:
Die Leute denken so – wie es in der Zeitung steht,
im Fernsehen berichtet wird. Aber die Mitglieder einer
Gesellschaft haben nur zu wenigen Fragestellungen die gleich
Meinung. In der Regel gibt es zu jeder Frage unterschiedliche
Positionen, die von verschiedenen Parteien, Verbänden,
den Kirche u.a. öffentlich vertreten werden. Der einzelne
ordnet sich der Partei oder der gesellschaftlichen Gruppe
zu, mit deren Position er übereinstimmt. Innerhalb
der Parteien und Verbände sind Meinungsbildungsprozesse
notwendig, damit zu bestimmten Problemen und Projekten
ein Standpunkt gefunden wird. Ähnlich wie der einzelne
sich mit einer Partei, einem Verband, einer Gewerkschaft
identifiziert, wird er sich im Gegensatz zu den Parteien
und Verbänden fühlen, die eine andere als die
eigene Position vertreten. Die zuhörende Öffentlichkeit
ist also nicht amorph, sondern strukturiert. Meinungsumfragen
geben jeweils Hinweise darauf, wie die Meinungsverteilung
zu bestimmten Fragestellungen aussieht und in welcher Größenordnung
die einzelne Partei Zustimmung erhält. Solche Meinungsumfragen
geben nur punktuell die Größenordnung der Meinungsverteilung
wieder. Das kann den Blick dafür verdecken, daß "Öffentlichkeit" immer
als Prozeß zu
sehen ist, der durch Rede und Gegenrede, durch Ereignisabläufe
und Entscheidungsprozesse bestimmt ist.
Eckhard Bieger
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