Der öffentliche
Raum ist ständig in Bewegung
Der Kommunikationsraum "Öffentlichkeit" ist
nicht statisch, sondern wird durch Meinungsbildungsprozesse
bestimmt. Dabei kann nicht von einer einheitlichen öffentlichen
Meinung ausgegangen werden. Denn nur wenige Themen,
Problemlösungsvorschläge, Projekte sind nicht
kontrovers. Das gilt bereits für eine Familie und
andere Gruppen, deren Leben sich nicht auf der Bühne
der Öffentlichkeit abspielt. Am Stammtisch treffen
in der Regel unterschiedliche Meinungspositionen aufeinander,
noch mehr im Bereich einer Kommune oder der ganzen Gesellschaft.
Es sind nur wenige Fälle, zu denen keine unterschiedlichen
Meinungspositionen geäußert werden, so bei Verbrechen
oder beim Auftreten eines gemeinsamen Feindes.
Es wird zwar häufig von einer öffentlichen Meinung gesprochen, die
es aber selten gibt. Zu einem Problem, zu einer anstehenden Entscheidung gibt
es fast immer mehrere Meinungspositionen, die auch in der Öffentlichkeit
geäußert werden. Der einzelne kann sich die unterschiedlichen Positionen
anhören und sich dann der Position anschließen, die ihn am meisten überzeugt
bzw. seinen eigenen Interessen entgegenkommt. Der Prozeß „Öffentlichkeit“ ermöglicht
demjenigen, der an der öffentlichen Auseinandersetzung durch Redebeiträge
wie auch durch Zuhören partizipiert, sich eine Meinung zu bilden und zu
gegebener Zeit seine Optionen in Form einer Wahlentscheidung, durch Eintritt
oder Austritt aus einem Verband, durch eine Geldspende u.a. Ausdruck zu verleihen.
Da Fragen entschieden, Probleme gelöst werden müssen, kommen einige,
jedoch nicht alle Meinungsbildungsprozesse zu einem Abschluß. Wird eine
Entscheidung getroffen, verliert die Diskussion an Intensität und handelt
nicht mehr über die Entscheidung selbst, sondern über die Folgen
der Entscheidung. Viele Probleme werden nicht gelöst, viele notwendigen
Entscheidungen werden nicht getroffen. Auch diese Themen rücken aus dem
Scheinwerferlicht der öffentlichen Auseinandersetzung. Wenn es nicht eine
Gruppe gibt, die sich für das Problem einsetzt und die Frage wachhält,
kann das ungelöste Problem ganz aus den öffentlichen Foren verschwinden.
Hätte die Ökologiebewegung nicht das Durchhaltevermögen gehabt,
wäre der Umweltschutz aus dem öffentlichen Disput verschwunden, weil
das Thema sowieso vielen lästig war.
Eckhard Bieger
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