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Was das Gute ist, wissen
wir erst, weil wir das Böse kennen.
Das unterscheidet uns vom Tier. Dieses kennt Widrigkeiten, Gefahr,
Wohlbefinden, Nützliches, aber nicht das mit Absicht
zugefügte Böse, die
Verleumdung, den Diebstahl, die unter Gewalt erpresste Zustimmung. Der
Mensch
trägt auch eine Vorstellung mit sich, wie es sein sollte, eben
gut, d.h.
gerecht, gewaltfrei, höflich und vielleicht sogar liebevoll im
Umgang. Diese Vorstellung
malt ein Paradies aus. Dass diese Bilder wirksam sind, zeigt uns die
Urlaubswerbung. Sie stellt uns die Bilder vom Paradies vor. Im Urlaub
soll
alles gut sein, nicht nur das Hotelbett und das Essen, sondern auch die
Stimmung, die erlebte Freundlichkeit, eine Welt ohne Armut und Krieg.
Wahrscheinlich
haben auch Antilopen, Löwen oder Affen
ähnliche Bilder, aber sie kennen das Böse nur als
Gefahr, als Hunger, als
Unterliegen im Kampf um den Rangplatz in der Horde. Beim Menschen kommt
ein
neues Bewusstsein hinzu. Hunger, verletzt, ungerecht behandelt zu
werden, das
ist nicht nur unangenehm, man weicht ihm aus, es soll auch nicht sein.
Zudem
hat der einzelne das Bewusstsein, dass es eine Ordnung gibt, die das
verbietet.
Dieses Bewusstsein nennen wir Gewissen. Es mag unterschiedlich geformt
sein,
dass z.B. der Hass auf ein anderes Volk als geboten gilt. Aber es
bleibt das
Bewusstsein, etwas zu sollen, nicht nur für das eigene
Überleben, sondern weil
es eine Ordnung gibt, die Lüge und Mobbing verbietet. Das
Gewissen ist ein
Indiz dafür, dass wir zwischen zwei Alternativen zu
wählen haben.
Das Gute entsteht
erst, genauso wie das Böse
Die Entscheidung zwischen Gut und Böse zeigt, dass beides
erst im Werden begriffen ist. Wäre das Gute schon da,
könnte man sich nicht
mehr dafür entscheiden, denn was gut ist, das wollen wir,
nämlich das schöne
Hotelzimmer, den Sandstrand wie auch die Zuneigung andrer. Wenn das
Böse sich verfestigt
hätte, dann hätte das Gute keine Chance mehr. Zwar
wirken Gutes und Böses nach,
aber das Neue, wenn es um Gut oder Böse geht, soll erst
entstehen. Es entsteht
aus der Entscheidung. Worum geht es aber in der Entscheidung?
Das Gute eröffnet
Leben, das Böse vernichtet Leben
Mit unserer Vorstellung
vom Guten ist immer Erhalt und
Zuwachs an Leben verbunden. Es geht um das eigene Leben, das durch
eigenes
Verhalten, z.B. Alkoholexzesse oder mangelnder Einsatz beim Lernen
Einbußen
erleidet.
In Bezug auf die anderen gelten die 10 Gebote, die Familie
hochschätzen, für Kinder und Alte sorgen, den anderen
nicht körperlich
schädigen, nicht belügen, seine Familie, sein
Eigentum achten. Über die 10
Gebote hinaus gibt es die Forderung, Arme zu unterstützen,
Kranke zu versorgen
und sogar, Feinden zu vergeben.
Das Böse mindert und vernichtet Leben, eben im Gegensatz zu
den 10 Geboten. Der Mord ist deshalb die nachhaltigste Wirkung des
Bösen, weil
dem anderen Leben nicht erschwert, sondern ihm gänzlich
verweigert wird.
Weil
unser Leben sich in der Zeit verwirklicht und sich
dabei entwickeln soll, ist alles, was Leben mindert oder es in seiner
Entwicklung hindert, böse.
Das Böse gibt es
allerdings nur deshalb, weil Leben
beeinträchtigt, gehindert, vernichtet werden kann.
Wäre alles fertig, dann gäbe
es nur das, was geworden ist. Dann wäre aber das Böse
verschwunden, denn es ist
ja auf Minderung und letztlich Vernichtung aus. Das Böse, so
zeigen es schon
unsere Lebenserfahrungen, hat keinen Bestand. Zwar hat der
Übeltäter einen Vorteil,
aber der Schaden, den er angerichtet hat, kommt auf ihn
zurück. Andere
misstrauen ihm und einige fühlen sich berechtigt, ihm
Böses anzutun, z.B. ihn
zu ermorden, um selbst die Herrschaft übernehmen zu
können. Mord hat immer zur
Folge, dass der Mörder sich selbst in Lebensgefahr bringt. Ein
Beispiel ist
Russland: Wegen der Enteignungs- und Hinrichtungswellen fehlen dem Land
heute Millionen
von Menschen, vielleicht sogar Hundertmillionen. Zudem ist der
Alkoholismus ein
nicht gelöstes Problem. Die Folgen des Bösen sind auf
jeden Fall Minderung. Das
Böse schickt Lebendiges auf die Reis eins Nichts.
Daraus folgt aber, dass
nur etwas, das auch nicht sein kann,
vom Bösen affiziert werden kann. Etwas, das nicht
„nicht“ sein kann, ist frei
vom Bösen. Siehe auch: das Böse und Gott
Eckhard Bieger S.J.
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