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Ist Gott Konkurrent der menschlichen Freiheit? Kinder
erleben die Welt genauso unsicher wie Erwachsene und brauchen
daher einen Garanten,
der die Welt im Lot hält. Die Moderne
hat diese Vorstellung als Täuschung entlarvt und Gott als
den hingestellt, der der Freiheit mißtrauisch gegenüber
steht. Die Kirche hat dieser Vorstellung Vorschub geleistet. Entwicklungspychologisch
ist diese Sicht verständlich. Denn mit der Entdeckung, daß es
Böses gibt, entsteht sofort das Verlangen, daß jemand
Starkes das Gute nicht nur will, sondern auch die Macht hat, dem
Guten zum Sieg zu verhelfen. Mit der Entdeckung der Freiheit im
Jugendalter wird diese alles bestimmende Macht zum Konkurrenten
der eigenen Freiheit, denn Gott besteht auf der Einhaltung seiner
Gebote und scheint an der Verwirklichung der Freiheit des einzelnen
kein Interesse zu haben. Erst wenn das Leben auf eigenen Entscheidungen
aufgebaut ist, Berufsziele erreicht, eine Familie gegründet,
ein Haus gebaut ist, wird der Blick offener für all das, was
zum Gelingen der Freiheit beigetragen hat. Es waren andere Menschen,
die Zuneigung geschenkt, die geholfen und Chancen eröffnet
haben. Die Freiheit selbst aber konnten andere nicht
geben, auch nicht die Gesellschaft oder der Staat – sie kommt
von dem, der Leben schenkt. Gott schenkt nicht nur die Freiheit,
sondern
auch
eine einmalige Berufung, damit das Leben nicht die Kopie eines
vorgegebenen Musters wird, sondern etwas Unersetzliches.
Eckhard Bieger S.J.
Buchtipp
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