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Wirklich neue Ideen hat Gödel nicht gebracht. Die Idee, dass man aus
Gottes möglicher Existenz auf seine notwendige schließen kann,
findet sich schon bei Kant. Und dass man für diese Beweisführung
zeigen muss, dass Gottes Existenz möglich ist, hat Leibnitz als erster
formuliert. Von Ihm stammt auch die Idee der positiven Eigenschaft:
Eine Eigenschaft ist positiv, wenn sie keiner anderen Eigenschaft
widerspricht.
Bei dem Versuch, diese Eigenschaften genauer zu bestimmen, verzettelt
er sich. Der Beweis scheint nicht durchführbar zu sein, ohne dass
man sich irgend wo widerspricht.
Gödel hat bewiesen, dass es kein formales System gibt, das absolut
widerspruchsfrei ist. Wenn der ontologische Gottesbeweis im Widerspruch
mündet, liegt das also nicht notwendig am Beweis, sondern kann an
dem formalen System, der Sprache liegen, in der der Beweis geführt
wird. Gödel formuliert für seine Beweisführung also ein
eigenes formales System. Er setzt die Existenz der positiven Eigenschaften
einfach voraus. Beispiele nennt er keine, sondern formuliert:
Eine Eigenschaft ist entweder positiv oder negativ.
Und weiter:
Jede Eigenschaft, die notwendig eine positive Eigenschaft enthält,
ist ebenfalls positiv.
In dem System definiert Gödel dann göttlich:
Ein göttliches Wesen enthält alle positiven Eigenschaften.
Daraus folgt:
Göttlich ist eine positive Eigenschaft, sie enthält ja alle anderen
positiven Eigenschaften.
Gödel hat damit die Vorraussetzung geschaffen, um den Ansatz
von Leibnitz, die mögliche Existenz Gottes zu beweisen, widerspruchsfrei
durchführen zu können.
Dazu behauptet er:
Es ist möglich, dass es zu jeder positiven Eigenschaft mindestens
ein Wesen gibt, das diese Eigenschaft besitzt.
Beweisen will er seine Behauptung, indem er vom Gegenteil ausgeht.
Dazu überlegt er, was passiert, wenn ein Wesen eine positive
Eigenschaft hat, die von keinem Wesen besessen werden kann. Die
Annahme führt zu einem Widerspruch, z.B. das Wesen ist nicht
mit sich selbst identisch. Also wäre die Eigenschaft, nicht
mit sich selbst identisch zu sein, positiv. Also wäre das
Gegenteil - die Selbstidentität - eine negative Eigenschaft.
Wir wissen aber, dass jedes Wesen mit sich selbst identisch ist.
Also ist die Selbstidentität eine positive Eigenschaft.
Eine Eigenschaft kann aber nicht positiv und zugleich negativ sein.
Also gibt es keine positive Eigenschaft, die von keinem Wesen besessen
werden kann.
Jetzt kann Gödel den ontologischen Gottesbeweis selber angehen.
Dazu definiert er die „notwendige Existenz“:
Etwas existiert genau dann notwendig, wenn für alle Eigenschaften,
die sein Wesen ausmachen, gilt: Es ist möglich, dass es zu
dieser Eigenschaft mindestens ein Wesen gibt, das diese Eigenschaft
besitzt.
Gottes Wesen macht es aus, dass er alle positiven Eigenschaften
besitzt. Das bedeutet zum einem, dass die notwendige Existenz ebenfalls
eine positive Eigenschaft ist. Zum anderen existiert Gott notwendig,
wenn es ihn gibt.
Weil Gödel aber zeigen will, dass Gott auch notwendig existiert,
wenn seine Existenz möglich ist, verwendet er eine logische
Regel:
Wir können sagen, wenn wir etwas Heißes anfassen, verbrennen
wir uns die Finger.
Daraus können wir schließen:
Wenn wir etwas Heißes anfassen können, können wir
uns die Finger verbrennen.
Mit Hilfe dieser Regel formuliert Gödel:
Wenn es möglich ist, dass Gott existiert, dann ist es möglich,
dass Gott notwendig existiert.
Wenn Gott aber in irgendeiner Welt notwendig existiert, existiert
er in allen möglichen Welten, auch in unserer.
Benedikt Richter
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