 |
Jesus hatte
nicht nur einen Scheinleib
Jesus ist ein wirklicher
Mensch, der predigend durch Palästina
gezogen ist, der Menschen berührt hat, um sie zu heilen oder
zu trösten. Sein Leib wurde geschunden, gegeißelt und
gekreuzigt. Aber er ist nirgendwo begraben. Zwar wurde er nach
seinem Tod am Kreuz in einer Grabkammer beigesetzt. Als die Frauen
nach dem Sabbat, am ersten Tag der jüdischen Woche, den Leichnam
endgültig versorgen wollten, fanden sie das Grab offen, der
Leichnam war verschwunden. Gibt es den Leib Jesu? Zumindest beim
Kommuniongang wird den Gläubigen die Hostie mit den Wort: „Leib
Christi“ in die Hand oder auf die Zunge gelegt.
Unzulängliche Antworten
In den ersten christlichen Jahrhunderten wurden unterschiedliche
Meinungen vertreten. Wenn Jesus von Nazareth wirklich Gott war,
konnte er dann wirklich Mensch sein? Jesus, der Mensch, war geschaffen,
Jesus, der Sohn Gottes, ist nicht geschaffen. Wie kann aber Geschaffenes
mit dem Göttlichen eine Einheit bilden? In den christologischen
Streitigkeiten werden
die unterschiedlichsten Denkmodelle durchgespielt. Eine erste Lösung
war die der Doketen, die sich vom griechischen Wort für "Schein"
herleiten. Der Leib Jesu war nicht wirklich, Gott hat sich in einem
Scheinleib gezeigt. Die Gnostiker hatten eine ähnliche Vorstellung,
weil für sie die Leiblichkeit eine Art Verbannung der Seele
in die Materie bedeutet. Erlösung ist für die Gnostiker
Befreiung der Seele von allem Körperlichen - durch Erkenntnis,
im Griechischen Gnosis.
Die Realität
der Passion
Wenn man die Realität des Leibes Jesu nicht anerkennt, dann
sind auch Geißelung und Kreuzigung Jesu nicht wirklich geschehen.
Verschiedene Reaktionen auf den Film „Die Passion Christi“ im
Jahr 2004 zeigen, wie schwer es fällt, die Realität dieser
grausamen Hinrichtung zu akzeptieren. Den Passionsberichten der
Evangelien wird man nur gerecht, wenn der Leib Jesu nicht ein Scheinleib
war, sondern den Qualen ausgesetzt war, die in den nüchternen
Berichten der Bibel angedeutet werden. Der Theologe Irenäus
von Lyon im 3. Jahrhundert bringt das auf die Formel „Caro
Cardo Salutis“ „Das Fleisch ist die Türangel des
Heils“.
Theologische Lösung
Die Bedeutung des Leibes wird noch einmal mehr in der Auferstehung deutlich.
Wenn man das Leiden Jesu als körperlich
real akzeptieren muß, dann könnten die Begegnungen der
Jünger Jesu mit dem Auferstandenen als Visionen gesehen werden,
in denen sie sich nur eines Scheinleibes ansichtig wurden. Um dieser
Interpretation vorzubeugen, schildern Lukas und Johannes in ihren
Evangelien die reale leibliche Anwesenheit des Auferstandenen.
Beide Evangelisten waren wahrscheinlich schon mit gnostischen Vorstellungen
konfrontiert. (Texte s.u.)
Mit seinem Leib wird Jesus erst zu einem Teil der menschlichen
Geschichte. Durch seinen Leib wird sein Leiden und Sterben real.
Durch die Auferstehung des Leibes wird der Tod erst überwunden.
Während das griechische Denken im Tod die Befreiung der Seele
von allem Materiellen sah, sehen die Christen in der Auferstehung
die Vollendung des Materiellen. Jesus ist leiblich in den Himmel
aufgefahren und seine Wundmale bleiben im Himmel leiblich präsent.
Gerade die Auferstehung des Leibes gibt dem Körper des Menschen
eine letzte Bedeutung, macht ihn unantastbar.Die Bedeutung des
Leibes Jesu setzt sich fort in einer Beschreibung der Kirche. Sie
wird im Epheserbrief der Leib Christi genannt.
Zitate
Lukas 24,36-40
Während sie noch miteinander redeten, trat er selbst in ihre
Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und
hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum laßt
ihr in euren Herzen solche Zweifel aufkommen, Seht meine Hände
und meine Füße an: Ich bin es selbst. Faßt mich
doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr
es an mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände
und Füße.
Johannes zeigt in der
Begegnung des Auferstandenen mit dem Zweifler Thomas die Realität
des Leibes Jesu auf:
Acht Tage darauf waren die Jünger wieder versammelt und Thomas
war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat
in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch. Dann sagte er zu
Thomas: Streck deine Finger aus – hier sind meine Hände.
Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht
ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete ihm: Mein
Herr und mein Gott. Kap. 20,26-28
Gott hat seine Macht
an Christus erwiesen, den er von den Toten auferweckt und im
Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben
hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte
und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser
Welt, sondern auch in der zukünftigen genannt wird. Alles
hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über
die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt,
der das All ganz und gar beherrscht. Epheserbrief 1,20-23
.. daß wir vollkommen überzeugt sind von der Geburt,
dem Leiden und der Auferstehung, die während der Regierungszeit
von Pontius Pilatus erfolgt ist; wirklich und gewiß wurde
dies vollbracht von Jesus Christus, unserer Hoffnung….
Brief des Ignatius v. Antiochien an die Gemeinde in Ephesus 117
Text: Eckhard Bieger
© www.kath.de
|
 |