Die
Wallfahrt nach Santiago de Compostella
Die großen
Verkehrswege des heutigen Europa verlaufen meist von Norden
nach Süden. Die Alpenübergänge sind wie zur
Zeit der Römer wichtig. Es gab aber, bevor die Römer
das Gesicht Europas formten, bedeutende Wege
von West nach Ost. Einer lebt in der großen Wallfahrt
nach Santiago des Compostella weiter.
Im Mittelalter pilgerten
Millionen Menschen nach Santiago de Compostella, aus religiösem
Antrieb, als Buße, die Wallfahrt konnte
anstelle einer Strafe unternommen werden – die Pilgerschaft
wog die Todesstrafe auf. Sicher spielte auch Abenteuerlust
eine Rolle. Auch für die Menschen heute ist der lange
Weg ein Sinnbild für das eigene Leben, sie machen
sich auf den Weg, um die eigene Mitte zu finden. Sie gehen
an die Grenze der bewohnten Welt, dorthin, wo die Sonne
untergeht. Die Wallfahrt schließt eigentlich nicht
in Santiago, sondern 80 km in Fisterra, Finis Terrae – Ende
der Welt, wo zünftige Pilger ihre Kleider verbrennen.
Santiago de Compostella heißt Sanct Jakobus in Campo stellae – im
Sternenfeld. Das war die Bezeichnung für die Flur, in der die Reliquien
gefunden wurden und Anlaß, den Weg der Wallfahrer mit der Milchstraße
in Beziehung zu setzen. Viele Jakobskirchen in Europa liegen an den Pilgerwegen.
Jakobus ist der nach Stephanus der zweite Märtyrer. „Um jene Zeit
ließ der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und mißhandeln.
Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwert hinrichten.
Als er sah, daß es den Juden gefiel, ließ er auch Petrus festnehmen;“ wird
im 12. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet. Petrus wird durch einen Engel
aus dem Gefängnis befreit. Jakobus soll nach der Legende vor seinem Tod
bereits in Spanien missioniert haben und auf wundersame Weise mit dem Schiff
dorthin zurückgekehrt sein. Ein Einsiedler hatte einen Traum, auf Grund
dessen die Gebeine im Jahre 813 wieder gefunden wurden. Jakobus wurde der Schutzpatron
Spaniens und seinem Schutz wird die Rückeroberung
des Landes aus der Hand der Mauren zugeschrieben. So erschien er nach der
Legende 844 in der Schlacht von Clavijo in Nordspanien und führte die
Christen zum Sieg.
Nach Jakob werden im Rheinland die Kellner „Köbes“ und in
England die Butler James genannt. Das geht wohl auf die Männer zurück,
die in den Herbergen die Jakobspilger bewirteten. Der „wahre Jakob“ könnte
sich davon herleiten, daß im Mittelalter einige Städte behaupteten,
sie beherbergten die Gebeine des Apostels, was für die Pilger den Vorteil
hatte, nicht bis an die Westküste Spaniens laufen zu müssen.
Die Muschel geht auch auf einen legendarischen Bericht zurück, nämlich
daß ein Ritter dem Schiff, das den Leichnam des Apostels nach Spanien
brachte, entgegenritt. Er drohte, unterzugehen, der Heilige rettete ihn. Als
der Ritter aus dem Wasser steigt, war er mit Muscheln bedeckt. Zudem findet
man an der Küste, zu der die Pilger von Santiago noch weitergehen, viele
Jakobsmuscheln.
Der 25. Juli ist der Gedenktag des hl. Jakobus, wenn er auf einen Sonntag fällt,
zieht Santiago besonders viele Pilger an.
Eckhard
Bieger
Weitere
Informationen u.a.
Rechtsschutz
der Pilger im Mittelalter
Aufnahme
und Versorgung der Pilger
Die
wirtschaftliche Seite des Pilgerwesens
© www.kath.de |
|