Papstbesuche in Deutschland

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799

Papst Leo III. (795-816) wird von Anhängern seines Vorgängers Hadrian I. mißhandelt; er wendet sich um Hilfe an den Frankenkönig Karl. Dieser bittet ihn in seine Königspfalz nach Paderborn.
Bei diesem ersten Besuch eines Papstes auf deutschem Boden weiht Leo einen Altar der neu erbauten Kirche und legt Reliquien des Erzmartyrers Stephanus dort nieder, worum ihn Karl gebeten hatte.
Leo sucht bei Karl Hilfe gegen die Aufständischen in Rom. Karl nimmt sich seiner Sache an und gibt ihm sicheres Geleit zurück nach Rom. (25.12.800 Kaiserkrönung Karls in Rom durch Leo III.)

804

Dez. Kaiser Karl empfängt Leo III. in Reims; in Quierzy feiern sie zusammen das Weihnachtsfest.

805

Das Fest der Hl. Dreikönige (6. Januar) begehen beide in Aachen. Am 14. Januar gibt Karl d. Gr. Leo sicheres Geleit bis Ravenna.

833

In den Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Ludwig d. Frommen und seinen Söhnen (unter Führung Lothars I.) versucht Papst Gregor IV. (827-844) auf Veranlassung Lothars zu vermitteln und kommt deswegen (im Juni) ins Frankenreich.
Im Lager Lothars auf dem Rothfeld (dem späteren Lügenfeld) bei Colmar im Elsaß versucht Gregor IV., mit Kaiser Ludwig über den Frieden zu verhandeln. Des Papstes Bemühen ist vergeblich, zumal der größte Teil von Ludwigs Heer verräterrischerweise zu den Söhnen übergegangen war. Gregor IV. kehrt "voll Trauer" wegen des mißglückten Friedensversuches nach Rom zurück.

1020

Auf Einladung von Kaiser Heinrich II. und seiner Gattin Kunigunde besucht Papst Benedikt VIII. (1012-1024) Bamberg. Am Gründonnerstag (14. April) trifft er dort ein und nimmt an der Kar- und Osterliturgie in Bamberg teil. Am 24. April weiht der Papst im Beisein des Kaisers und vieler geistlicher und weltlicher Würdenträger die Stiftskirche St. Stephan in Bamberg und stattet sie mit zahlreichen Reliquien aus. Ferner bestätigt er mit Zustimmung der anwesenden Bischöfe und Fürsten die Privilegien des Bistums Bamberg und schlichtet den Streit zw. Kaiser und Bischof Heinrich I. von Würzburg bzgl. Gründung des Bistums Bamberg.
Unter dem Vorsitz des Papstes und Kaisers tagt eine Synode in Bamberg. Von hier aus ziehen Papst und Kaiser nach Fulda, wo Benedikt VIII. am 1. Mai am Grabe des hl. Bonifatius die päpstlichen Privilegien für das dortige Kloster bestätigt. Am gleichen Tage stellt er eine Urkunde aus, durch welche das Verhältnis des von Heinrich gegründeten Bistums Bamberg zu Rom bestimmt wird. Anschließend begibt sich der Papst nach Italien zurück.

1049

Am 16. Juni trifft Leo IX. (1049-1054) mit Kaiser Heinrich III. bei seinem ersten Deutschlandbesuch zusammen. Am 29. Juni treffen beide in Köln ein. Hier bestätigt der Papst dem Kölner Erzbischof Hermann II. alte Privilegien und fügt neue hinzu: so z. B. das Kanzleramt des Apostolischen Stuhles; dieses Amt hat nur noch Anno II. von Köln innegehabt; in Verbindung mit dem Erzkanzleramt für Italien wird der Erzbischof so zum Mittler zw. Kurie und kaiserlichem Hof. Leo IX. verleiht ihm die Titelkirche S. Joannes ante portam Latinam in Rom; (diese Titelkirche wird später Kardinal Josef Frings von Köln verliehen)
Leo IX. vermittelt in den Auseinandersetzungen zwischen Herzog Gottfried v. Lothringen, dem Grafen Balduin von Flandern und dem Kaiser. Im Juli sind Papst und Kaiser in Aachen.
Mitte Oktober hält Leo eine Synode in Mainz ab; ähnlich den Beschlüssen von Reims sind auch hier Simonie und Zölibat Hauptverhandlungsgegenstände.

1051

Anfang Januar trifft der Papst in Trier mit dem Kaiser zusammen. In Augsburg wird am 2. Februar eine große Reichsversammlung abgehalten.

1052/53

Im Sommer bricht Leo zu seinem 3. Deutschlandbesuch auf. Im Oktober hält er eine 2. Synode in Mainz ab, feiert mit dem Kaiser zusammen das Weihnachtsfest in Worms und kehrt Anfang Februar über Augsburg nach Italien zurück.

1054

Bischof Gebhard v. Eichstätt wird auf dem Reichstag zu Mainz im November zum Nachfolger Leos IX. gewählt, lehnt die Wahl ab, stimmt der Wahl aber Anfang 1055 auf dem Reichstag zu Regensburg zu und nennt sich Victor II. (1055-1057).

1056

Im September trifft der Papst mit Kaiser Heinrich III. in Goslar zusammen. Von dort reisen sie zusammen zur Pfalz nach Bodfeld. Hier erkrankt der Kaiser. Er stellt seinen unmündigen Sohn Heinrich IV. unter den besonderen Schutz des Papstes. Am 5. Oktober stirbt der Kaiser. Nachdem Victor II. den Kaiser in Speyer beigesetzt hat, führt er Heinrich IV. nach Aachen zur Inthronisation. Anfang Dezember findet in Köln eine Reichsversammlung statt. Weihnachten verbringt der Papst zusammen mit dem jungen König in Regensburg.

1057

Anfang Februar kehrt Victor II. nach Italien zurück.                               

1147

Eugen III. (1145-1153), der Schüler Bernhards v. Claiervaux und erster Zisterzienser auf dem päpstlichen Stuhl, muß nach seiner Wahl in Rom (15. Februar 1145) die Stadt verlassen und hält sich zunächst vorwiegend in Frankreich auf. Der Erzbischof von Trier, Albero, lädt den Papst nach Trier ein. Eugen hält am 30. November 1147 feierlich Einzug in Trier in Begleitung von 2 Kardinalbischöfen, 18 Kardinalpriestern, mehreren Bischöfen, u.a. der Kölner Erzbischof Arnold I. zur Linken und der Trierer Erzbischof Albero zur Rechten, Äbten und zahlreichen geistlichen und weltlichen Würdenträgern.
Auf einer Synode in Trier erfährt Eugen durch Erzbischof Heinrich von Mainz von den Visionen und theologischen Ausarbeitungen der Hildegard v. Bingen. Auf Vermittlung Bernhards v. Clairvaux werden diese Berichte geprüft. Hildegard darf mit Zustimmung des Papstes weiterhin alle Visionen aufschreiben und verbreiten; ferner darf sie mit Zustimmung des Papstes ein eigenes Kloster auf dem Rupertsberg gründen.
Der Papst schlichtet während seines Trierer Aufenthaltes mehrere territorial-politische Streitigkeiten.

1148

Am 13. Februar reist Eugen von Trier (nach 11 Wochen) weiter über Metz und Verdun nach Reims.
Dort hält Eugen am 21. März eine Synode ab, wozu alle deutschen Bischöfe und Äbte geladen werden; wegen Nichterscheinens werden die Erzbischöfe von Köln und Mainz suspendiert.
Das Konzil zu Konstanz (1414-1418) hat sich zum Ziel die allgemeine Kirchenreform und die Beendigung der Kirchenspaltung gesetzt.
"Das heilige Konzil von Konstanz beschließt und verordnet, daß der kommende Papst, der mit der Gnade Gottes binnen kurzem gewählt wird, die Kirche an Haupt und Gliedern reformieren muß."

1417

Auf der 41. Sitzung des Konzils konstituiert sich am 8. November das Wahlkollegium des Konklaves. Am 11. November wird der Kardinaldiakon Oddo Colonna einstimmig zum Papst gewählt. Martin V. (1417-1431) erhält am 12. November die Diakonats-, am nächsten Tag die Priesterweihe und dann 1 Tag später die Bischofsweihe. Am 21. November wird er gekrönt. Damit ist die Kirchenspaltung nach 39 Jahren beendet.
Nach den Vorstellungen König Sigismunds sollte der Papst seinen Wohnsitz in Deutschland wählen: Basel, Mainz oder Straßburg werden vorgeschlagen, Frankreich bietet wieder Avignon an. Martin V. will von keiner fremden Macht abhängig sein.
Am 22. April beendet Martin V. das Konzil zu Konstanz, nachdem die Kurienreform (Auf- und Ausbau der Kurie), Reformdekrete und Konkordate durchgeführt worden sind. Am 16. Mai verläßt er Konstanz. Im Mai ist er in Baden und Bern und von Juni bis August in Genf urkundlich nachweisbar. Am 7. September wird beschlossen, die Kurie nach Mantua zu verlegen. Auf dem Wege dorthin weiht er den Hochaltar des Mailänder Domes; am 28. September zieht er in Rom ein. Während seines Pontifikates betritt er nie mehr deutschen Boden.

1782

Am 22. Februar trifft Papst Pius VI. (1775-1799) mit Kaiser Joseph II. bei Neunkirchen zusammen; beide fahren von hier aus nach Wien. Hier beginnen am 23. Februar die vertraulichen Gespräche und politischen Verhandlungen. Der Papst nimmt in Wien an der Kar- und Osterliturgie teil. Am 19. April beruft er ein öffentliches Konsistorium ein, wo Kardinal Firmian von Passau und der Ungarische Primas Batthiány den Kardinalshut überreicht bekommen. Am 22. April verläßt der Papst Wien und begibt sich auf Einladung und Bitte Kurfürst Karl Theodors von Bayern nach München. Der Kaiser begleitet Pius VI. bis Mariabrunn , dann geht die Reise weiter über St. Pölten zur Benediktinerabtei Melk a.d. Donau, am 23. April weiter über St. Florian und Linz nach Ried. Eine Gesandtschaft des Kurfürsten von Trier und Bischofs von Augsburg, Klemens Wenzeslaus, überbringt die Einladung zum Besuch Augsburgs. Von Braunau geht die Fahrt weiter am 25. April über Simbach, Marktl und Hohenwarth nach Altötting. Gegen Abend am 26. April erreicht Pius VI. München. Hier verweilt er bis zum 2. Mai. Dann reist er weiter über Dachau, Schwabhausen und Friedberg nach Augsburg, wo er am späten Nachmittag ankommt. Hier verweilt er bis zum 7. Mai. Dann tritt er seine Rückreise nach Rom an, wo er am 13. Juni wieder eintrifft.

1980

Papst Johannes Paul II. (seit 16. Oktober 1978 im Amt) besucht vom 15. bis 19. November Deutschland. Köln, Bonn, Brühl, Osnabrück, Mainz, Fulda, Altötting und München sind Stationen dieser Pastoralreise, wo er an Vertreter der verschiedenen Stände, christlichen und nichtchristlichen Religionsgemeinschaften seine Botschaft richtet.
Der Besuch war ein bedeutender Impuls für die Ökumene. Als Folge wurde die Gemeinsame Ökumenische Kommission gebildet, die aus Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz, des vatikanischen Sekretariates für die Einheit der Christen und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bestand (vgl. dazu auch Kapitel "Ökumene")

1987

Eine zweite Pastoralreise unternimmt Papst Johannes Paul II. vom 30. 4. bis 4. 5. nach Deutschland. In Köln spricht er am 1. Mai Edith Stein selig. Die Ordensschwester jüdischer Herkunft ist im Konzentrationslager Auschwitz ermordet worden. Weitere Stationen der zweiten Papstreise sind Bonn, Münster, Kevelaer, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen, München, Augsburg und Speyer. Der Papst kommt mit Vertretern der evangelischen Kirche, des Zentralrats der Juden, der Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. In Münschen spricht er am 3. Mai den Jesuitenpater Rupert Mayer, der Widerstand gegen das Hitler-Regime geleistet hat, selig.