Pressemitteilungen der
Deutschen Bischofskonferenz

Johannes Paul II. in Deutschland 1996

Die Kirche und die Medien

Die katholische Kirche mißt den Medien sowohl in den Industriegesellschaften als auch in unterentwickelten Gesellschaften eine große Bedeutung zu. In Grundsatzdokumenten wie dem Konzilsdekret „Inter mirifica” (1963) und der darauf aufbauenden Pastoralinstruktion „Communio et progressio” (1971) werden sie als Instrumente der sozialen Kommunikation beschrieben. Die Medien dienen danach der Information als Grundlage demokratischer Beteiligung und dem Dialog zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Dementsprechend befaßt sich auch die Kirche in Deutschland immer wieder vor allem mit den ethischen Fragen der gesellschaftlichen Kommunikation und der Verantwortung der Medien. Durch ein vielfältiges praktisches Engagement in allen Bereichen sucht die Kirche die Medien für ihre Kommunikation mit der Gesellschaft wie für den innerkirchlichen Dialog zu nutzen.

Eine eigene Kommission der Bischofskonferenz, die Publizistische Kommission unter ihrem derzeitigen Vorsitzenden Bischof Hermann Josef Spital (Trier) beobachtet ständig die Entwicklung der Medien und warnt auch vor fragwürdigen Tendenzen in der Kommunikationsgesellschaft. Der bischöflichen Kommission zugeordnet ist die Zentralstelle Medien, die Handlungsmodelle und praktische Hilfen in den Arbeitsfeldern Presse/Verlagswesen, Hörfunk und Fernsehen, Film, Audiovisuelle Medien und Kommunikationspädagogik entwickelt und umsetzt.

Großen Wert legt die katholische Kirche auf die Ausbildung des Nachwuchses; dazu hat die Bischofskonferenz 1970 das Institut zur Förderung Publizistischen Nachwuchses (München) gegründet, das studienbegleitende Journalistenausbildung, überredaktionelle Volontärsausbildung für die katholische Presse, Weiterbildung für Redakteure und Schulungen für kirchliche Mitarbeiter anbietet. Mit der Medien-Dienstleistungsgesellschaft (MDG) haben die deutschen Bischöfe ein Unternehmen zur Beratung und Förderung katholischer Verlage und Medienunternehmen geschaffen.

Durch die Pressestelle im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz und durch Pressestellen in allen Ordinariaten (Verwaltungen) der Bistümer werden Öffentlichkeit und Medien ständig über aktuelle kirchliche Ereignisse informiert.

Informationen:

Pressestelle im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Kaiserstraße 163, 53113 Bonn
Tel: 0228 / 103-213 – 215; Fax: 0228 / 103-254

Zentralstelle Medien
Kaiserstraße 163, 53113 Bonn
Tel: 0228 / 103-239

Katholische / Kirchliche Presse Die zeitweise über 400 katholischen Tageszeitungen in Deutschland wurden durch die Nationalsozialisten sämtlich zerschlagen. Seit der Wiederbegründung von Zeitungen nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint die katholische bzw. kirchliche Presse mit Ausnahme einer Tageszeitung, der Deutschen Tagespost (Würzburg), als Wochenzeitungen, Monatszeitschriften oder Periodika. Die insgesamt 138 Titel mit einer Gesamtauflage von knapp 7,8 Millionen Exemplaren (1995) sind zusammengeschlossen in der Arbeitsgemeinschaft katholische Presse (AKP) und bilden acht Pressegruppen: Bistumspresse, Sonntagszeitschriften, Magazinpresse, Frauenzeitschriften, Missions- und Ordenspresse, Jugendzeitschriften, Verbandszeitschriften, Kultur- und Fachzeitschriften. Vergleichbar der Tendenzpresse in der Bundesrepublik ist die Auflage der katholischen Presse seit Jahren generell leicht rückläufig.

Die Kerngruppe Bistumspresse zählt 25 Titel. In der alten Bundesrepublik hat jedes Bistum, einschließlich des Militärbistums, seine eigene wöchentliche Kirchenzeitung; Herausgeber ist in der Regel der Bischof. In den neuen Bundesländern erscheint weiter gemeinsam für die Bistümer Dresden, Erfurt, Görlitz und Magdeburg der „Tag des Herrn” (Leipzig). Im Erzbistum Berlin wurden das frühere „Petrusblatt” (Berlin-West) und das „Hedwigsblatt” (Ostteil des Bistums) zusammengelegt zur „Katholischen Kirchenzeitung”. Die größte Auflage hat das Münsteraner Bistumsblatt „Kirche und Leben” mit knapp 170.000, die kleinste mit 9.000 Exemplaren verzeichnet die „Neue KirchenZeitung” des neugegründeten Erzbistums Hamburg.

Spitzenreiter nach der Auflage ist „Frau und Mutter”, die Zeitschrift der Katholischen Frauengemeinschaft mit knapp 750.000 Exemplaren; ihr steht die Zeitschrift der Päpstlichen Missionswerke in Aachen und München „missio aktuell” mit etwa 650.000 Auflage kaum nach. Die Zeitschrift des Missionswerks der Kinder, „Sternsinger”, ragt mit 474.000 unter den Kinder- und Jugendzeitschriften heraus. Die vierzehntägige Illustrierte „Weltbild” und die monatliche Familienzeitschrift behaupten sich mit 250.000 bzw. 125.000 Exemplaren auf einem hart umkämpften Markt der Magazine. Der „Rheinische Merkur” gehört mit einer Auflage von 110.000 Exemplaren zu den bedeutenden politischen Wochenzeitungen der Bundesrepublik.

Informationen:
Arbeitsgemeinschaft Katholische Presse
Adenauerallee 176, 53113 Bonn
Tel: 0228 / 21 53 34; Fax: 0228 / 21 09 22

Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beliefert täglich per Funk die säkularen Tages- und Wochenzeitungen, die Redaktionen der Rundfunkanstalten sowie die katholische Presse mit aktuellen Nachrichten, Berichten und Hintergrundinformationen zu kirchlichen Ereignissen. Redaktionsbüros in Berlin, Freiburg, München, Stuttgart und Wiesbaden erstellen täglich Regionaldienste, das Korrespondentenbüro in Rom berichtet umfassend über den Vatikan. Zahlreiche Spezialdienste (z.B. wöchentlicher Hintergrunddienst, Ökumenische Informationen) erreichen interessierte Zielgruppen. KNA-Bild in Frankfurt beliefert Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender mit aktuellen und themenbezogenen Pressefotos.

Informationen:

KNA – Katholische Nachrichten-Agentur Adenauerallee 134, 53113 Bonn Tel: 0228 / 26000-0; Fax: 0228 / 26000-61

KNA-Bild – Katholische Nachrichten-Agentur-Pressebild GmbH Hanauer Landstr. 220, 60314 Frankfurt Tel: 069 / 944375-0; Fax: 069 / 944375-12

Hörfunk / Fernsehen Der Rundfunk ist in der Bundesrepublik Deutschland dual, also sowohl öffentlich-rechtlich als auch privatrechtlich strukturiert. Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten in erster Linie durch Gebühren, die privaten Sender durch Werbeeinnahmen finanzieren. Das Rundfunkwesen unterliegt der Aufsicht und Kontrolle durch öffentlich besetzte Gremien, in denen die Kirchen als gesellschaftlich relevante Institutionen durch je eigene Vertreterinnen und Vertreter mitarbeiten, im öffentlich-rechtlichen Bereich in den senderbezogenen Rundfunkräten, für die kommerziellen Sender in den Aufsichtsorganen der Landesmedienanstalten der Bundesländer.

Beauftragte der Diözesen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten betreuen liturgische und geistliche Sendungen (z.B. Gottesdienstübertragungen, Morgenandachten), die der Kirche gemäß „Drittsendungsrecht”, teils in eigenständiger inhaltlicher Verantwortung, eingeräumt werden. Sie halten auch Kontakte zu den jeweiligen Fachredaktionen; für die bundesweiten Sender Zweites Deutsches Fernsehen, DeutschlandRadio und Deutsche Welle werden die Senderbeauftragten von der Bischofskonferenz ernannt.

Für die kommerziellen Sender haben die Bistümer eigene Beauftragte ernannt, die mit den jeweiligen Programmverantwortlichen und den Redaktionen Kontakte halten und Hilfestellung für die Realisierung von Sendungen mit religiöser Thematik anbieten.

Für diverse regionale Hörfunk- und Fernsehstationen haben sich katholische Programmanbieter, teils in kirchlicher Trägerschaft, gebildet, die Sender mit eigenen religiösen und kirchlichen Beiträgen beliefern bzw. mit guter Resonanz Programmfenster ausfüllen. Auch die KNA bietet über ihren Rundfunkdienst Hörfunkbeiträge an.

Die Aktivitäten der katholischen Kirche im Bereich Hörfunk und Fernsehen koordiniert die Katholische Rundfunkarbeit in Deutschland, die in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, Konferenzen und mit einer jährlichen Fachtagung der Meinungsbildung und dem Erfahrungsaustausch der kirchlichen Vertreter und Beauftragten dient.

Informationen:

Zentralstelle Medien
Kaiserstraße 163, 53113 Bonn
Tel: 0228 / 103-239

Verlage / Religiöse Literatur Rund fünf Prozent der jährlichen Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt behandeln eine religiöse Thematik. Trotz rückläufiger Kirchenbindung scheint das Interesse an gründlicher Information und Meinungsbildung im Bereich religiöser und kirchlicher Themen ungebrochen. Einen erheblichen Anteil dieser Bücher produzieren rund 75 katholische Verlage, die sich in aller Regel in privatem Besitz befinden. Knapp 130 Buchhandlungen in der Bundesrepublik, die sich als katholisch bezeichnen, bieten neben der allgemeinen Buchpalette den Kunden für die religiöse Literatur besondere Schwerpunkte und spezielle Beratung an.

Eine besondere Vertriebsschiene für religiöse Kleinschriften und Taschenbücher stellen die Schriftenstände in fast allen Kirchen und in katholischen Bildungshäusern dar. Sie werden logistisch betreut von der Katholischen Schriftenmission in Leutesdorf bei Koblenz.

Einen wichtigen Beitrag zum allgemeinen Angebot an lesenswerter Literatur wie besonders an religiösen Büchern leisten die etwa 4.500 katholischen öffentlichen Büchereien, die zumeist von den örtlichen Gemeinden getragen werden. Hier leisten rund 30.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen wertvollen Dienst am Gemeinwohl. Sie bieten insgesamt rund 13,5 Millionen Bücher und Medien an; die Entleihquote liegt nach Schätzungen bei jährlich rund 20 Millionen Einheiten. Die örtlichen Büchereien werden unterstützt von diözesanen Fachstellen und von den beiden katholischen Fachverbänden Borromäusverein, Bonn, und St. Michaelsbund, München.

Informationen:

Borromäusverein
Wittelsbacher Ring 9, 53115 Bonn
Tel: 0228 / 7258-0; Fax: 0228 / 7258-189

St. Michaelsbund
Herzog-Wilhelm-Straße 5, 80331 München
Tel: 089 / 236809-0; Fax: 089 / 236809-47

Verband katholischer Verleger und Buchhändler
Furtbachstraße 12 A, 70178 Stuttgart
Tel: 0711 / 6402061; Fax: 0711 / 6409531

Film, Audiovisuelle Medien, Kommunikationspädagogik Seit langem beobachtet die katholische Kirche die Entwicklung im Filmbereich und fördert durch die Katholische Filmkommission, durch Mitarbeit in nichtkirchlichen Fachgremien, in Jurys und durch Auszeichnungen den qualitätvollen Kinofilm, teils in ökumenischer Zusammenarbeit mit Experten der evangelischen Kirche. Die Kirche bringt damit zum Ausdruck, daß sie den Film als ein ästhetisch wie inhaltlich bedeutsames Medium der Vermittlung gegenwärtiger Welterfahrung und Wertorientierung wertet. Hauptaufgabe der Filmkommission ist die Beurteilung des Filmangebots in Kino, Fernsehen, auf Video und anderen Trägermedien. Sie ist zusammen mit dem Katholischen Institut für Medieninformation (Köln), Herausgeber des im Rowohlt Verlag erschienenen „Lexikons des Internationalen Films”, das von der Fachwelt stark beachtet wird, und des seit 1947 erscheinenden Fachorgans „film-dienst”. Besonderes Interesse der katholischen Filmarbeit gilt der religiösen Dimension in Filmen, die auch Gegenstand eines internationalen Forschungsprojektes ist.

In 25 der 27 deutschen Diözesen gibt es Einrichtungen, die audiovisuelle Medien für den Einsatz in Schulen, Gemeinden, kirchlichen Gruppen, in Bildungseinrichtungen verleihen. Diese AV-Medienstellen führen zudem medienkundliche, mediendidaktische und kommunikationspädagogische Fortbildungsmaßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen, besonders für Multiplikatoren durch. Nach Schätzungen erreichen diese Einrichtungen direkt oder indirekt jährlich etwa 10 Millionen Teilnehmer von Bildungsveranstaltungen.

Der wachsenden Bedeutung unterschiedlicher Medien im Leben des einzelnen wie in der Gesellschaft entsprechend legt die katholische Kirche ein Schwergewicht ihrer Medienarbeit auf die Kommunikationspädagogik. Durch Arbeitsmaterialien und Veranstaltungen vermitteln die Zentralstelle Medien und diözesane Einrichtungen Aus- und Weiterbildung an haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter, an Referenten und Multiplikatoren, aber auch unmittelbar an Rezipienten mit dem Ziel eines sachgerechten Umgangs mit den Medien.

Informationen:

Katholisches Institut für Medieninformation
Am Hof 28, 50667 Köln
Tel: 0221 / 925463-0; Fax: 0221 / 925463-37

Zentralstelle Medien
Kaiserstraße 163, 53113 Bonn
Tel: 0228 / 103-239

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